Auf den Spuren Lilienthals

Anfang Juli, kurz vor der vorlesungsfreien Zeit, ließen es die Bionikstudierenden in Bocholt noch einmal richtig hoch hergehen oder besser möglichst weit fliegen. Dort starteten sie ihre im Semester konstruierten Leichtbauflieger in einem Wettbewerb. Das Team, dessen Flieger bei zwei Flugversuchen am weitesten den Hügel hinabglitt, gewann. Foto: WH/MV

Im Fach „Leichtbau“ konstruierten die Bocholter Bionikstudierenden in ihrer Semesterarbeit mittels 3-D-Software einen Leichtbauflieger am Rechner und bauten parallel dazu auch den passenden Prototypen. Bei sehr guten Wetterbedingungen starteten im Juli die Flieger in einem Flugwettbewerb.

(MV) „Gollenberg“ tauften die Bioniker einen Hügel, der sich hinter dem Gebäude der Westfälischen Hochschule in Bocholt befindet. „Gollenberg deshalb“, klärt Frank Büning, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Studiengang Bionik, auf, „da der erste Pionier der Fliegerei, Otto Lilienthal, in Stölln auf dem Gollenberg von 1893 bis 1896 seine bahnbrechenden Flugversuche erstmals durchführte.“ Auf dem „echten“ Gollenberg erinnern heute eine große Skulptur, die Windharfe auf der Spitze des Berges sowie ein Gedenkstein an der Absturzstelle an den Segelflugpionier, der an den Folgen des Unfalls bei seinem letzten Flugversuch am 9. August 1896 verstarb. Der Gollenberg selbst befindet sich im Naturpark Westhavelland im Bundesland Brandenburg. Aber Lilienthals erfolgreiche und wiederholbare Gleitflüge und die Erkenntnisse daraus haben noch heute Bestand.

Die Bionikstudierenden sind zum Glück einer solchen Unfallgefahr nicht ausgesetzt, da niemand selbst mitfliegt, es sei denn, man bekommt den Leichtflieger vor den Kopf. Die Flieger aus Balsaholz entwickeln die Studierenden auf Basis fester Parameter mit ein paar Freiheitsgraden. Die Größe und Proportionen sind vorgegeben sowie auch das Strömungsprofil. In der Konstruktion der Strukturmechanik sind die Studierenden frei. Trotz der scheinbaren Gleichheit zeigten sich die fertigen Ergebnisse überraschend abwechslungsreich. Bei dem Flugwettbewerb wurde der Flieger von Hand „geworfen“ und glitt den Hügel hinunter. Es gab insgesamt zwei einzelne Wertungsflüge, die später zur Gesamtweite addiert wurden. Mit zwei überzeugenden Flügen und insgesamt knapp 67 Metern sicherte sich dieses Jahr Team „Shark-y“ den Sieg. Zweiter wurde das Team „Marty McFly“ – in Anlehnung an den Film „Zurück in die Zukunft“ – mit rund 60 Metern und den dritten Platz, mit einer Fluggesamtweite von rund 46 Metern, holte sich das Team „Hammerfly“.

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