Bio-Terminals machen Schicksale erlebbar

„Bio-Terminal“ an der Station „Kreisappell 1936“. Welche Wendung nahm die Biografie beispielsweise der SPD-Kreisrätin Marie Müller nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten? Hier kann man es erfahren. Foto: Bettina Engel-Albustin/FotoAgenturRuhr moers – Grafschafter Museum im Moerser Schloss

Eine Gruppe Medieninformatik-Studierende hat unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Heinecke in ihrem gemeinsamen Masterprojekt „HiStoryTelling“ Schautafeln und Ausstellungsstücke zur Demokratiegeschichte im Grafschafter Museum im alten Landratsamt von Moers durch digitale Ausstellungsinhalte ergänzt. Das Ziel von Jennifer Agar, Uwe Kettler, Felix Sattler, Van To und Lena Volbach war, dass sich Besucher und Besucherinnen mit einzelnen Menschen und ihren Biografien identifizieren können und so die Geschichte ihrer Schicksale „wie am eigenen Leib“ multimedial erleben können.

(BL) Der klassische Museumsgast ist eher passiv: Er sieht sich zwar Ausstellungsstücke an, liest Schau- und Erläuterungstafeln, hört vielleicht auf einen Audioführer, kann dabei aber die Hände eigentlich immer ruhig auf dem Rücken halten. Die Folge: Das Interesse erlahmt, der/die Besucher/in wird müde und möglicherweise hakt er das Museum ab und kommt nie wieder. „Wir wollten, dass die Besucher und Besucherinnen mehr in die Geschichten der Menschen eintauchen, deren Leben im Museum dargestellt wird“, war die Absicht der fünf Masterstudierenden aus der Medieninformatik. Stichwort: Der Museumsrundgang soll interaktiv werden und lebensnah historische Geschichten erzählen. Dazu nutzten sie digitale Technologien wie Touch-Screens, Sensorik und audiovisuelle Medien, die sie benutzerfreundlich, leicht für jeden zugänglich und robust im öffentlichen Raum des Museums einsetzen. Im Klartext: Jede/r Besucher/in erhält eine von zahlreichen Identifikationskarten, die sie für den Ausstellungsrundgang mit einer historischen Person aus der Moerser Bevölkerung verbindet. Mit diesem Ausweis kann er/sie, „seine/ihre“ Person und ihr Schicksal zwischen der deutschen Kaiserzeit bis in die siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts nacherleben. Sobald Besucher oder Besucherinnen in die Nähe eines der 13 biografischen Terminals kommen, weisen sie sich aus und erhalten dann Informationen, Bilder oder Videos bezogen auf neun Zeitabschnitte. Die Informationen betreffen vor allem die jeweilige historische Person und stammen von Opfern, Tätern und „ganz normalen Menschen“. Ergänzt werden sie durch Hintergrundinformationen, um die Einzelschicksale in ihre Zeit einordnen zu können. Multiple-Choice-Fragen lassen die Besucher und Besucherinnen selbst aktiv werden und hinterfragen das Erlebte.