Bocholter Makerspace wächst

Dieser bisher nur als Fluchtweg genutzte Gitter-Gang soll bis zum Frühjahr als Arbeitsfläche für den Bocholter Makerspace im Maschinenbau ausgebaut werden. Rechts: Prof. Dr. Thomas Naber, links: Andre Kubasch.

Bereits seit 1999 gibt es an der Hochschulabteilung Bocholt das, was heute landläufig „Makerspace“ genannt wird. Früher hießen die, die sich dort treffen, die „Hardies“. Treffpunkt der innovativen Bastler und Macher war das Labor für Rechnertechnik, kurz RT-Labor. Jetzt wird der Makerspace ausgebaut, um den Maschinenbau erweitert und erhält außerdem eine Gründungsförderung als Start-up-Abteilung.

(BL) Der bisherige Makerspace Bocholt bietet seinen Nutzern und Nutzerinnen seit langem schon die Möglichkeit, an eigenen Projekten Wissen zu vertiefen, Neues zu erlernen, technische Ideen auszuprobieren und außerdem ein Netzwerk zu knüpfen, das schon vielen geholfen hat, einen Praktikumsplatz, ein industrienahes Thema für die Abschlussarbeit oder sogar eine Arbeitsstelle zu finden. Dazu stellt ihnen der Makerspace eine technische Infrastruktur zur Verfügung und den Ort, an dem sich alle treffen. So beschrieb es im Jubiläumsjahr 2019 Norbert Dirks vom Makerspace RT-Labor in Bocholt.

Die Keimzelle RT-Labor – jetzt „rtLab“ – wird nun ausgebaut. Historisch betrachtet war der Makerspace RT vor allem ein Elektronik-Hardwarelabor. Längst ist er auch ein Ort für Informatikprojekte. „Denn“, so Dirks, „beispielsweise die aktuellen eingebetteten Systeme bestehen nur noch zu einem kleinen Teil aus der Hardware, inzwischen überwiegt die Software.“ Auf der anderen Seite kommt kein System ohne die Hardwareanbindung an das reale Leben aus, sodass sich eine Symbiose aus Hard- und Sofware ergibt. Damit hat der alte Name „die Hardies“ ausgedient.

Mit Geld aus dem Förderprogramm „startup-Lab@fh“ wird das „rtLab“ ausgebaut: 3-D-Drucker, Fräsen, Schneideplotter, eine Werkbank, Einrichtungen für die Holz-, Metall- und Kunststoffverarbeitung, Messtechnik, Einrichtungen für Virtual und Augmented Reality, die digitale Vernetzung und anderes.  Das ergänzt den Ausstattungsbestand, der schon vorher über eine Million Bauteile umfasste. Dirks: „Mit der nun geplanten neuen Ausstattung wollen wir den Makerspace RT noch breiter aufstellen und den Studierenden ein kreatives Umfeld ermöglichen, in dem sie ihre Ideen umsetzen können.“

Neben dem RT-Bereich im Bocholter Makerspace gibt es einen neuen Maschinenbau-Bereich, den Prof. Dr. Thomas Naber und Prof. Dr. Olaf Just leiten. Neben der Möglichkeit eigene mechanische Ideen auszuprobieren und zu bauen ist beiden der Gedanke wichtig, dass sich daraus auch marktreife Produkte und Firmengründungen ableiten lassen. Ihren Maschinenbau-Makerspace nennen sie „mechanicLab“ und „roboLab“. Zusammen bilden sie das „startupLab“. Zusammen mit dem Fördergeld für das RT-Labor stehen für die Makerspace-Bereiche insgesamt in Summe rund 200.000 Euro zur Verfügung aus dem Förderprogramm „startup-Lab@fh“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, das an der Westfälischen Hochschule unter dem Namen „#BeyondLimits“ geführt wird.

Thomas Naber fand die Wirkungsfläche für seinen Maschinenbau-Anteil in der rund elf Meter hohen Maschinenhalle, deren Luftraum nur zum Teil einem schweren Kran zur Verfügung gestellt werden muss. In dem übrigen Hallenteil lässt er daher auf vier Metern Höhe eine Montagefläche einziehen. Naber: „Hier haben die Studierenden dann alle mechanischen Möglichkeiten zu schrauben, zu montieren, zu fertigen, etwas herzustellen.“ Im Frühjahr 2021 soll die Arbeitsbühne bezugsbereit sein. Darüber hinaus können die Studierenden alle Maschinen in der mechanischen Werkstatt des Bocholter Fachbereichs Maschinenbau nutzen. Im Normalfall allerdings je nach Komplexitäts- und Gefährdungsgrad mit der Hilfe des Werkstattpersonals unter der Leitung von Werkstattleiter Andre Kubasch.

Das bestehende Roboter-Labor unter der Leitung von Prof. Dr. Olaf Just wird um neue Roboter ergänzt. Ein kleiner, humanoider Roboter ist bereits bestellt, das Ziel, so Just, sei, ein kleines Roboterteam zur Verfügung zu haben, die auch interaktiv arbeiten können. „Das Roboter-Labor stellt den Raum, die Roboter, die Rechner und die Beratung zur Verfügung, damit Studierende eigene Projekte verwirklichen können.“ Gerne, so Just, könne das auch in Zusammenarbeit mit der mittelständischen Industrie im Westmünsterland erfolgen, wobei sich eine natürliche Dimensionsschranke dort ergibt, wo die vielleicht erforderlichen Industrieroboter aus Sicherheitsgründen nicht mehr in einem Hochschul-Labor betrieben werden können. Auf der Größenstufe der 60 bis 70 Zentimeter kleinen Roboter können aber etwa gut Projekte bearbeitet werden, die Assistenzroboter in der Pflege oder bei der Kundenbetreuung einsetzen.

Die Bocholter Makerspace-Bereiche sind angedockt an die Gründungsförderung, die die „Andersmacher“ im Rahmen des Projekts „#BeyondLimits“ anbieten und für die in Bocholt Simon Böing-Messing verantwortlich zeichnet. Er sieht sich als „hilfreicher Satellit“, der über allen Innovationen und Innovatoren schwebt und von einer möglichen Idee bis zur Markteinführung Förderung und Beistand anbietet: „Die Gründungsförderung kann hilfreiche Verbindungen vermitteln, sowohl innerhalb des Standortes als auch standortübergreifend an der Westfälischen Hochschule als auch zu Unternehmen dies- und jenseits der deutsch-niederländischen Grenze.“ Außerdem kann Böing-Messing finanzielle Förderhilfe bereitstellen. Böing-Messing vermittelt darüber hinaus Methodenkompetenz bei der Begleitung von Projekten: „Dazu gehen wir auch in Vorlesungen und Lehrveranstaltungen der Hochschule, um zu zeigen, dass es durchaus zugängliche Methoden gibt, eine innovative Idee zu entwickeln und zu evaluieren.“ Und am Ende wird dann aus einem/r Studierenden mit Hilfe von Makerspace und Hochschule und in Kooperation mit der Industrie vielleicht ein Unternehmer oder eine Unternehmerin und innovative Ideen finden den Weg in die Nutzung.

Fotogalerie