Brasilien in Bocholt

Prothesen

Prothesen machen das Leben leichter bei Fehlbildungen und nach Amputationen. Demnächst könnten sie mit bionischen Methoden individuell angepasst aus dem 3-D-Drucker kommen. Foto: Unifesp

Drei Monate lang bereicherten drei Brasilianerinnen das Lehr- und Forschungsteam der Bionik am Hochschulstandort Bocholt: Prof. Dr. Maria Elizete Kunkel von der Bundesuniversität in São Paulo (Universidade Federal de São Paulo/Unifesp), die Ergotherapeutin Tainara dos Santos Bina und Biomedizintechnikerin Blenda del Vecchio Baron übten sich im bionischen Arbeiten und vermittelten zugleich ihr Wissen über Prothesen als Ersatz für amputierte Körperglieder und Orthesen zur Behandlung von Bewegungsstörungen der Wirbelsäule und von Gelenken.

(BL) Das im Wahlbereich angebotene Lehrmodul über Prothesen und Orthesen war sehr nachgefragt, so nachgefragt und erfolgreich, dass Prof. Dr. Alexander Sauer, Studiengangsleiter der Bionik in Bocholt, es im nächsten Jahr gleich wieder anbieten will. Und die gemeinsame Forschung zwischen Bocholt und São Paulo könnte dann auch direkt fortgesetzt werden.

Dabei soll die Entwicklung von Prothesen und Orthesen mit Bionik-Konzepten vorangetrieben werden. Die Unifesp erarbeitet mit einem dreidimensionalen Computerprogramm die Vorlagen für Prothesen zur Rehabilitation von amputierten Kindern und Erwachsenen in ganz Brasilien. Hergestellt werden die Prothesen anschließend mit dem 3-D-Drucker. Die gemeinsame bionische Forschung soll praktische Verbesserungen erzielen, wobei die Zusammenarbeit mit dem Institut für Bionik an der Westfälischen Hochschule den Startpunkt für internationale Kooperationen bildete.

Während des Wahlmoduls hatten die Bocholter Studierenden die Möglichkeit, die bisherigen, konventionellen Methoden der Herstellung von Prothesen und Orthesen kennenzulernen sowie die Vorteile digitaler Werkzeuge kombiniert mit dem 3-D-Drucker. Als krönenden Abschluss nutzten die Studierenden ihre neuen Fähigkeiten zur Entwicklung einer Prothese für den speziellen Fall einer Fehlbildung der oberen Gliedmaße. „Diesen Fall wählten wir“, so Sauer, „weil gerade bei Fehlbildungen maßgeschneiderte Lösungen erforderlich sind, die mit Computerprogramm und 3-D-Drucker besonders gut an den Bedarf angepasst werden können.“ Die Prothese sollte das betroffene Kind bei seinen täglichen Aktivitäten wie malen, essen, kämmen oder Zähne putzen unterstützen.

Für die deutschen Studierenden war die Erfahrung mit Prothetik aus dem 3-D-Drucker auch deshalb so zukunftsweisend, weil derartige Prothesen in Deutschland noch nicht zugelassen sind.

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