Bürgerbeteiligung in Gelsenkirchen

Die Umfrage für die Vorstudie zu einer Beteiligungsplattform für Bürger und Bürgerinnen der Stadt Gelsenkirchen erfolgte nicht per Papier und Stift, sondern elektronisch auf Handy oder Rechner. Grafik: WH

Im Wahlkurs „Unternehmensberatung“ sammelten Fünftsemester des Gelsenkirchener Studiengangs Wirtschaft unter der Leitung von Prof. Dr. Karin Küffmann Empfehlungen, wie Gelsenkirchen als vernetzte Stadt ihre Bürgerinnen und Bürger bei städtischen Projekten über eine Online-Bürgerbeteiligungsplattform in die Entscheidungsfindung einbinden kann.

(BL) „Das ist Mist, aber mich fragt ja keiner“ ist eine durchaus hin und wieder bei Straßenbefragungen zu hörende Meinung, wenn Bürger und Bürgerinnen ihre Ansichten etwa über Straßensanierung, Citygestaltung, Radwegebau oder den öffentlichen Nahverkehr äußern. Die Stadt Gelsenkirchen überlegt, wie sie ihre Bürgerinnen und Bürger an der Entscheidungsfindung beteiligen kann. Und ließ sich dazu von Wirtschafts-Studierenden aus dem Kurs „Unternehmensberatung“ Empfehlungen erarbeiten. Die Fünftsemester setzten dazu eine Umfrage auf, die ermitteln sollte, bei welchen Dingen Bürger und Bürgerinnen wie beteiligt werden wollen. Außerdem wurden die Umfrageteilnehmer und -teilnehmerinnen gefragt, was sie dazu motiviert, sich als mündige Bürger und Bürgerinnen einzubringen.

Ganz repräsentativ für das Bewohnerspektrum Gelsenkirchens konnte die Umfrage nicht werden, da Kommilitonen und Kommilitoninnen befragt wurden. Jedoch kann man davon ausgehen, mit ihnen eine Gruppe zu befragen, die nicht von der Art „nur meckern, aber nichts Konkretes sagen“ sind.

Heraus kam, dass deutlich mehr als die Hälfte der Antwortenden daran interessiert sind, sich bei Projektfragen zu beteiligen und diese nicht nur zu bewerten, sondern auch eigene Ideen einzureichen. 77 Prozent würden das auf jeden Fall tun, wenn es um Projekte geht, die sie selbst direkt betreffen. 84 Prozent können sich vorstellen mitzumachen, wenn ihnen das Projekt interessant erscheint. Ist beides nicht der Fall, halten sich die meisten in ihrer Beteiligung eher zurück, auch wenn für die Teilnahme Gewinnspiele winken. Gewünscht werden eine ernsthafte Diskussion mit der Verwaltung und die Aussicht auf Realisierung eigener Projektideen.

Zwar wollen rund drei Viertel die Bürgerbeteiligung vorrangig zur eigenen Information nutzen, 60 Prozent wollen aber auch mitentscheiden. Vor rechtlich bindenden Entscheidungen scheuen sich aber viele, nur 28 Prozent waren dazu bereit.

Bei der Frage, auf welchem Informationskanal sie angesprochen werden wollen, liegen Radiosender und Social-Media-Kanäle wie Facebook und Instagram vorne. Auch Youtube konnte punkten, nicht dagegen Twitter, der Lieblingskanal des US-amerikanischen Expräsidenten Donald Trump. Vielleicht ein Zeichen für die Schnelllebigkeit der sozialen Kanäle? Außerdem wünschten sich die Studierenden mehrsprachige Informationen. Damit, so Kursleiterin Prof. Dr. Karin Küffmann, könne der Web- und Internetauftritt der Stadt gleich auch internationaler werden.

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