Hochschule gibt sich ein Leitbild für die Lehre

Die Westfälische Hochschule hat sich ein Leitbild für die Lehre gegeben. Es dient als Wegweiser zu guter Lehre und präzisiert die Ziele, die das Hochschulgesetz Nordrhein-Westfalen vorgibt. Foto: WH/BL

Paragraf 3, Absatz 2 des nordrhein-westfälischen Hochschulgesetzes gibt das Lehrziel vor: „Die Fachhochschulen bereiten durch anwendungsbezogene Lehre und Studium auf berufliche Tätigkeiten im In- und Ausland vor, die die Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden oder die Fähigkeit zu künstlerischer Gestaltung erfordern.“ Die Westfälische Hochschule hat sich in einem beteiligungsorientierten Prozess jetzt ein Leitbild für die Lehre gegeben, die dieses Ziel in sieben Punkten konkretisiert.

(BL) „Lehre ist neben der Forschung das Kerngeschäft der Westfälischen Hochschule“, mit diesem Satz startete Präsident Prof. Dr. Bernd Kriegesmann in der letzten Ausgabe von Trikon in sein Herausgeberwort auf "Seite 2". Anlass war, dass sich die Westfälische Hochschule ein neues „Leitbild Lehre“ gegeben hat. Das Leitbild sei das Ergebnis eines breit geführten Diskussionsprozesses in den Fachbereichen, mit der Studierendenschaft und in den Gremien der Hochschule. Es soll Orientierung und Anregung geben, um Lehre und Lernen stetig zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.

Das Leitbild umfasst eine Präambel und sieben Eckpunkte. Die Präambel stellt die Hochschule (im Gegensatz etwa zu einer Fernhochschule oder virtuellen Hochschule) als Präsenzhochschule mit „einem ausgeprägten technisch-ökonomischen Profil“ vor. Der erste Eckpunkt geht direkt aufs Ziel zu: Die Studierenden sollen einen berufsbefähigenden Abschluss erwerben, der sie zugleich neugierig macht für neue funktionale und kreative Lösungen im Beruf, mit denen sie außerdem Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen.

Im Studium will die Westfälische Hochschule ihre Studenten und Studentinnen unabhängig von Herkunft und bisheriger Bildungsbiografie ihren Talenten entsprechend fördern, sodass sie trotz aller Unterschiede als Menschen ihre Potenziale für vielfältige und auch internationale Karrieren entfalten können. Die Westfälische Hochschule verspricht, die Studierenden dabei zu begleiten und sie darin zu fördern, ihren individuellen Bildungsweg zu gestalten. Allerdings nicht als passive Konsumenten. Kriegesmann: „Die Studierenden sind für uns als Bildungseinrichtung aktive Partner, die auch selbst Verantwortung für ihren Lernerfolg übernehmen.“

Die Hochschule verpflichtet sich, für alle Studiengänge die Wochenarbeitsbelastung im Auge zu behalten: „Studierbarkeit ist uns wichtig.“ Dabei ist sie sich bewusst, dass die Studienmodule nicht für sich allein stehen, sondern im Zusammenhang mit weiteren Modulen in den Gesamtstudiengang eingebettet sind, sodass sich die Arbeitsbelastung aus der Summe mehrerer Module ergibt. Der Präsident: „Feedback und Anregungen nehmen wir ernst und entwickeln unsere Studiengänge entsprechend weiter.“

Die Studierenden können die Anforderungen der Studiengänge zur Erreichung der Berufsfähigkeit nicht verhandeln. Die Hochschule erwartet von ihnen Leistungsbereitschaft und ein hohes Engagement, um den Studienabschluss zu erringen. Stures Pauken oder der bequeme „Nürnberger Trichter“ sind dabei nicht die bevorzugte Didaktik. Es geht um an praktischen Problemen ausgerichtetes, forschendes Lernen. Nicht nur Faktenwissen ist entscheidend, sondern die Entwicklung fachlicher, methodischer und sozialer Fähigkeiten für Beruf und Karriere.
Wer auf den Satz „Prüfungen werden abgeschafft“ hofft, wird enttäuscht: Prüfungen dienen – wie das Wort schon sagt – dazu zu überprüfen, welche Lernerfolge die Studierenden erreicht haben. Auch die Noten werden nicht abgeschafft. Sie spiegeln die unterschiedlichen Leistungen unterschiedlich leistungsstarker und unterschiedlich motivierter Studierender. Den künftigen Arbeitgebern zeigen sie, mit welchen Ergebnissen die Absolventen und Absolventinnen die Hochschule verlassen.

Das Leitbild Lehre im Internet: www.w-hs.de/erkunden/praesidium/leitbild-lehre/

 

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Wie es dazu kam

Irgendwann sagt irgendwer einen Satz wie „Wir sollten mal…“. Das gilt auch für das jetzt veröffentlichte „Leitbild Lehre“. Das Präsidium griff den Gedanken „Wir sollten mal für die Hochschule ein Leitbild für die Lehre fixieren“ auf und setzte sich und alle, die mit Lehre zu tun haben, an das Leitbild als gemeinsames Projekt. Also die ganze Hochschule. Den Start machte das Präsidium selbst und formulierte erste Leitlinien. Das daraus resultierende 10-Punkte-Programm diskutierte das Präsidium Ende 2018 mit dem Kreis der Dekane, fügte deren Ideen und Vorstellungen ein und ließ die Dekane den gemeinsamen Projektstatus in den Fachbereichen diskutieren. Außerdem wurden die Studierenden aufgefordert, sich über ihren Studierendenausschuss in das entstehende Leitbild einzubringen.

Im Sommer 2019 integrierte eine großen Synopse alle Vorschläge, Ideen, Gedanken, Einwendungen und Stellungnahmen. Am Jahresende nahm sich dann der Senat noch einmal den daraus entstandenen Leitbildentwurf vor, bevor das Präsidium die finale Fassung mit einem förmlichen Beschluss in Kraft setzte. Präsident Prof. Dr. Bernd Kriegesmann: „Das Präsidium geht davon aus, dass durch die große Beteiligung ein von möglichst vielen getragenes Leitbild entstanden ist, das Lehre und Lernen an der Westfälischen Hochschule den Weg in die Zukunft weist.“