Hospiz: zwischen gemeinnützig und wirtschaftlich

Bei der Abschlusspräsentation des Projekts (von links nach rechts): Marvin Watermann (Student), Judith Stratmann (Studentin), Claudius Hasenau (Geschäftsführer APD Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen GmbH), Anja Besseling (Projektmanagement APD Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen GmbH), Prof. Dr. Thomas Heide (Westfälische Hochschule, Fachbereich Wirtschaftsrecht in Recklinghausen), Serena Bofulu Kambuya (Studentin) und Ann-Kathrin Krause (Studentin). Foto: Projektgruppe Hospiz

Im vergangenen Wintersemester absolvierten vier Studierende der Westfälischen Hochschule am Standort Recklinghausen ihr Projektsemester im Rahmen des Masterstudiengangs Wirtschaftsrecht. Ziel des Projekts war es, für die geplante Errichtung eines stationären Hospizes in Gelsenkirchen Rahmenbedingungen und Kriterien für eine wirtschaftliche Betriebsführung im Spannungsverhältnis von Gemeinnützigkeit und Wirtschaftlichkeit zu erarbeiten. Das Projekt startete im Oktober 2021 und fand in Kooperation mit der APD GmbH in Gelsenkirchen statt. Betreut wurden die Studierenden von Prof. Dr. Thomas Heide.

Die Vorstellung der Projektergebnisse sowie die Übergabe des Projektberichts fanden Anfang März in den Räumen der APD GmbH im Beisein des Geschäftsführers Claudius Hasenau und der zuständigen Projektmanagerin Anja Besseling statt. Die Kernaufgabe bestand für die Studierenden darin, einen sogenannten tagesbezogenen Bedarfssatz zu ermitteln. Dieser wird zwischen den Verbänden der Krankenkassen und den Hospizen beziehungsweise Hospizträgern vereinbart und dient zur Finanzierung des Hospizes. Dabei werden 95 Prozent von den Krankenkassen und fünf Prozent von den Hospizen beziehungsweise Hospizträgern durch Spenden finanziert. Der tagesbezogene Bedarfssatz wird jährlich neu verhandelt, sodass eine weitere Aufgabe für das Projektteam darin bestand, einzelne Szenarien (Best-case, Base-Case, Worst-Case) zu analysieren, um die Folgen für das Hospiz aufzuzeigen. Weiterhin wurden einzelne, für das Hospiz relevante Entscheidungsalternativen dargestellt, die möglicherweise als Entscheidungshilfen in der Zukunft dienen.

Die Studierenden kamen zu dem Ergebnis, dass der Ausgang der Verhandlungen mit den Verbänden der Krankenkassen über die Höhe des tagesbezogenen Bedarfssatzes einen großen Einfluss auf die Kostenbe- und -entlastung des Hospizes hat. So sind eine hohe Spendenbereitschaft und konstante Spendeneinnahmen Grundvoraussetzungen für das Gelingen der Etablierung des Hospizes in Gelsenkirchen. Um einen praxisnahen Einblick in die Hospizarbeit zu gewinnen, besuchte das studentische Projektteam im Januar das Johannes-Hospiz Münster. Michael Roes, der Leiter des stationären Hospizes, nahm sich dabei umfassend Zeit, um sich mit den Studierenden über wirtschaftliche Kennzahlen auszutauschen und ihnen die operative Tätigkeit eines stationären Hospizes näher zu bringen. Mit einem Rundgang durch das Hospiz wurde der Besuch abgeschlossen. Für das hohe Maß an Transparenz und die wertvollen Einblicke sind die Studierenden dem Johannes-Hospiz Münster und ihrem Leiter sehr dankbar.

Im Rahmen der Projektarbeit und des Projektabschlusses wurde für das Projektteam deutlich, dass die Thematik des Sterbens trotz einer gewissen Relevanz in der Öffentlichkeit unter anderem aufgrund der Sensibilität kaum thematisiert wird. Hospize sind hierbei als Unternehmen zu verstehen, die keine Gewinnerzielungsabsicht haben, jedoch in einer gewissen Art und Weise wirtschaftlich betrieben werden müssen. Die zentrale Herausforderung ist, ein geeignetes Verhältnis zwischen dem Faktor der Wirtschaftlichkeit und der optimalen Versorgung der Gäste zu finden, um den Sinn und Zweck des würdevollen Abschiednehmens eines jeden einzelnen Gastes erfüllen zu können. Die innerhalb der Projektarbeit erzielten Erkenntnisse der Projektgruppe bieten dem Praxis-Partner APD die Möglichkeit, sich bei der Errichtung des Hospizes dieser zentralen Herausforderung stellen zu können. (Text/Foto: Projektgruppe Hospiz)