Mediation statt Prozess

Konflikte durch Mediation statt durch Gerichtsverfahren zu lösen ist Ziel eines neuerdings zwei-, statt einsemestrigen Kurses im Recklinghäuser Fachbereich Wirtschaftsrecht. Nach einem virtuellen Startsemester folgte ein von den Teilnehmenden begrüßtes Präsenzsemester. Abb.: pixabay/Gerd Altmann, mark-1577991_1920

Seit einem Jahr gibt es im Recklinghäuser Fachbereich Wirtschaftsrecht einen erst nur einsemestrigen, jetzt zweisemestrigen Grund- und Aufbaukurs in Mediation als alternativer Konfliktlösung dort, wo Gerichtsverfahren an ihre Grenzen stoßen.

(BL) Gerichtsverfahren sind wegen der vielen offiziell Beteiligten nicht nur teuer, sondern enden in der Regel mit einer gewinnenden und einer verlierenden Partei. Die Mediation dagegen sucht einen für beide Seiten tragbaren Kompromiss und ist daher bei vielen Konflikten im Alltags- und Berufsleben eine erstrebenswerte Mehrwertlösung. Jetzt ist der erste komplette Durchgang zu Ende und der Fachbereich resümierte seine Erfahrungen. „Ein ganz besonderer Vorteil“, so Prof. Dr. Bernhard Bergmans, „war, dass wir in der Person von Rainer Kirschbaum einen Lehrbeauftragten gefunden haben, der als Inhaber einer Parkettfirma, als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Parkett und Holzfußböden und als ausgebildeter und zertifizierter Mediator über eine Menge Erfahrung in der außergerichtlichen Beilegung von Konflikten hat.“

Gleich mehrere Kursteilnehmer betonten die Bedeutung der Interaktion zwischen Teilnehmern und Teilnehmerinnen. Kevin Kotarski etwa empfand es als besonders positiv, dass es keine klassische Vorlesung über ein Thema war, sondern mit Gruppendiskussionen und Rollenspielen gearbeitet wurde. Deswegen freute er sich auch besonders darüber, dass der Fortsetzungskurs im Wintersemester nach einem virtuellen Sommersemester wieder in Präsenz stattfinden konnte: „Zwar hat der Grundkurs im digitalen Format auch gut funktioniert, an den Vertiefungskurs, welcher in Präsenz stattfand, kam dieser aber nicht ran.“ In der virtuellen Form kamen ihm Mimik, Gestik und Haptik einfach zu kurz. „Wer ein Semester lang ein Skript vorgelesen bekommen und am Ende die eigene Fähigkeit zum Auswendiglernen in einer Klausur zeigen will, ist hier wohl falsch“, so Teilnehmerin Annika Herb. Sie wollte lernen, wie sie Eskalationen vorbeugen und mit Konflikten umgehen kann. Dabei, so Herb im Nachhinein, war es besonders wichtig, das aktive Zuhören und Nachfragen zu lernen: „Wie oft das Wort warum gefallen ist, konnte ich gar nicht mehr mitzählen.“ Außerdem wichtig: der Perspektivwechsel und damit verbunden der Wille, den Konflikt auch aus der Sicht der anderen Beteiligten zu sehen.

„Tatsächlich half mir der Input der Veranstaltung bereits“, so Kevin Kotarski, „Konflikte sowohl im privaten wie auch im beruflichen Kontext nicht eskalieren zu lassen und diese zu bewältigen.“