Roboter lernen gemeinsam zu navigieren

In seiner Masterarbeit hat Christian Jestel Robotern beigebracht, wie sie selbst und kooperativ miteinander lernen, ihre Ziele bestmöglich ansteuern: ein Erfolg künstlicher Intelligenz. Foto: WH

Christian Jestel vom Gelsenkirchener Fachbereich Informatik beschäftigte sich in seiner Masterarbeit damit, wie Roboter mit KI – künstlicher Intelligenz – selbst und gemeinsam lernen, von A nach B zu kommen und Hindernissen auszuweichen. Er war mit seiner Roboterdidaktik so erfolgreich, dass er jetzt dafür einen Preis des deutschlandweiten Fachbereichstags Informatik erhielt.

(BL) „Deep-Reinforcement-Learning für die Multi-Roboter-Navigation“ ist der Titel der Masterarbeit von Christian Jestel, Absolvent aus dem Gelsenkirchener Fachbereich Informatik. Mit ihr erhielt er einen von drei Preisen für die besten Master-Arbeiten beim deutschlandweiten Fachbereichstag Informatik (FBTI). Der Preis wurde Mitte April im Rahmen der Online-Frühjahrstagung des FBTI in Form einer Videokonferenz verliehen und ist mit einer Urkunde und einem Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro verbunden. Betreut wurde Christian Jestel von Prof. Dr. Hartmut Surmann, der bei der Festveranstaltung die Laudatio für Jestel hielt.

Wer wissen will, was „deep reinforcement learning“ meint, der lernt, dass es darum geht, dass Rechner nicht allein vom Menschen programmiert und überwacht, sondern selbstständig durch „Versuch und Irrtum“ etwas lernen und anwenden. In diesem Fall ging es um einen Roboter, der sich seinen Weg vom Start zum Ziel suchen sollte. Erschwerend hinzu kam, dass Christian Jestel zugleich einen Weg finden sollte, wie der Roboter das nicht nur für sich selbst mit festen Hindernissen schafft, sondern in einer Gruppe mehrerer mobiler Roboter, die gemeinsam den besten Weg für ihre Ziele erkennen sollten. Klingt nicht nur vielseitig, sondern ist kompliziert, man denke vergleichsweise an den Straßenverkehr mit vielen Autos und Autofahrern. Die „Straßenverkehrsordnung“ sollten die Roboter selber finden und nach aktueller Verkehrslage flexibel die beste Lösung finden.

Nun, Christian Jestel hat seine Roboter erfolgreich trainieren lassen und erhielt jetzt den verdienten Lohn dafür, nicht nur in Form des Mastergrades, sondern eben auch mit einem deutschlandweit beachteten Preis. Prof. Dr. Hartmut Surmann, der ihn fachlich betreute, freut sich nicht nur über den Preis, sondern vor allem über die Entwicklung von Christian Jestel: „Als ich ihn kennenlernte, war er ein schüchterner, langhaariger Student. Jetzt ist nicht nur seine Frisur getrimmt, sondern er selbst hat sich zu einem selbstbewussten, leistungsstarken, ergebnisorientierten und teamfähigen Menschen, Informatiker und Wissenschaftler entwickelt.“ Christian Jestel: „Der Erfolg, den ich jetzt erlebe, zeigt mir, dass ich auf dem richtigen beruflichen Weg bin.“ Dieser hat ihn inzwischen ans Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund geführt, wo er nach dem Mastergrad jetzt am Doktorgrad arbeitet. Für das Preisgeld hat er bereits einen Plan: Er will mit einem neuen Motorrad von seinem Wohnort Castrop-Rauxel aus Europa erkunden. Nach Corona.

Im Video sieht man, wie die Roboter das Reißverschlussverfahren und den Kreisverkehr „erfinden“:
•  https://www.youtube.com/watch?v=7eQqoeGv088
•  https://www.youtube.com/watch?v=skpUU6ggbCo

 

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FBTI

Der Fachbereichstag Informatik (FBTI) repräsentiert über 60 Informatikfachbereiche und -fakultäten an Fachhochschulen und Hochschulen für Angewandte Wissenschaften mit insgesamt mehr als 50.000 Studierenden. Er ist Ansprechpartner und Vertreter seiner Mitglieder in allen Aspekten des Informatikstudiums an den Mitgliedshochschulen in Deutschland. Dabei sucht er den Dialog mit Ministerien, Verbänden, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Der FBTI kommuniziert seine Anliegen durch regelmäßige Tagungen, Memoranden und Berichte, aber auch durch die Mitarbeit in Gremien und Berufsverbänden wie zum Beispiel in der Gesellschaft für Informatik, deren Richtlinien zur Struktur von Informatikstudiengängen er wesentlich gestaltet hat.