Tandem für Lehre und Job

Szene bei der Projektergebnis-Präsentation

Die Projektergebnisse wurden im Beisein von Universitätspräsident Prof. Ala‘aldeen Al-Halhouli (r.) präsentiert. Foto: GJU/BK

Bei der sechsten Auflage des Adapt-to-job-Trainings der Bocholter Professorin Edda Pulst gemeinsam mit der deutsch-jordanischen Hochschule in Amman und der Industriegruppe SMS – einem Anlagenlieferanten für die metallurgische Industrie – ging es thematisch um die Chancen, die Klimawandel und Digitalisierung fordern und bieten.

(BL) Lehre im Dialog und Lösungen für die Praxis sind das Dauerthema für das Projekt „Adapt to job“ von Prof. Dr. Edda Pulst, das sie nicht nur an der Westfälischen Hochschule voranbringt, sondern auch in der Zusammenarbeit mit der deutsch-jordanischen Hochschule GJU in Amman. Dort heißt sie übrigens bei allen einfach nur Professor Doktor Edda.

Die bereits sechste Auflage dieses Projekts in Amman stellte im letzten Herbst das Thema, wie die digitale Transformation helfen kann, mit den Folgen des Klimawandels industriell klug umzugehen. Studierende aus allen Fachbereichen der GJU hatten sich um die Teilnahme beworben, 25 konnten ihre Motivation dafür so überzeugend darstellen, dass sie ein Ticket für den einwöchigen Workshop erhielten. Als Industriepartner machten neben der bereits an allen Ausgaben beteiligten SMS-Gruppe die Unternehmen Wakileh Contracting (Abwasserbehandlung), Maersk (Logistik und Transport), die Jordan Business Solutions JBS (Software-Lizenzpartner von IBM), der Papierhersteller Fine Hygienic Holding und Taawon, eine US/UK-Hilfsorganisation für nachhaltige Entwicklung in Palästina, mit.

Als erstes stellten die studentischen Workshop-Teilnehmer und -Teilnehmerinnen eine Themenrangfolge auf, welche vorherrschenden Bedarfe Jordanien in Zeiten des Klimawandels hat: Senkung der Kohlendioxid-Emissionen, Wasserstoffnutzung, Energieeinsparungen, sparsamer Wasserverbrauch, nachhaltigere neue Materialien für energieeffizientere Produktion, Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Nutzflächen. Die Teilnehmenden sollten bei ihrer Lösungsstrategie vor allem neue Ideen zum „Internet der Dinge“ und zu künstlicher Intelligenz entwickeln, statt Lernstoff anzuwenden. Ihre Aufgaben aus den beteiligten Unternehmen lauteten unter anderen: Ideen für klimarelevante Computerprogramme, nachhaltige Landwirtschaftsprojekte, umweltschonende Abwasserbehandlung und Schiffe mit weniger Kohlendioxid-Emission zu löschen und zu beladen. Und das alles unter Zeitdruck, denn die Woche war kurz. „Aber“, so Pulst, „so sind die realen Bedingungen, unter denen die Industrie Lösungen entwickeln muss. Sich dieser Herausforderung inhaltlich und zeitgerecht zu stellen, war Lernziel für die Arbeitsgruppen.“

Am Ende der Woche stellten die Gruppen ihre Arbeitsergebnisse der Seminarleitung aus Prof. Dr. Edda Pulst, Dr. Markus Reifferscheid von der SMS-Gruppe, den beteiligten jordanischen Unternehmen sowie GJU-Präsident Prof. Ala’aldeen Al-Halhouli vor: ein Hafenladesystem, das mit Sensoren und vorausschauender Planung hilft, Stillstände zu vermeiden, ein Emissions-Spür-System und ein symbiotisches System für ein besseres Abwassermanagement in Jordanien. Als „Lohn“ winkten Teilnahmezertifikate, die den Ausgezeichneten nach dem Hochschulabschluss bessere Arbeitsmarktchancen versprechen. Ganz unmittelbar konnten manche Praxissemesterplätze und Themen für Abschlussarbeiten vereinbaren oder erhielten direkt Jobangebote.

Auch im nächsten Jahr will die GJU den Adapt-to-Job-Workshop anbieten, die sich dadurch inzwischen zu einem Dreh- und Angelpunkt der praxisorientierten Hochschulausbildung in der Region entwickelt. Dabei wird erneut der Klimawandel das Thema sein: weniger Kohlendioxidemission, mehr Wasserstoffnutzung, weniger Plastik in den Stoffkreisläufen und das Einsparen von Energie.

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