Wenn Schlägel und Eisen Kopf stehen

Am letzten Tag der „Summer School“ stellten die Teilnehmer die Ergebnisse ihrer Gruppenarbeit in der Cafeteria E vor. Als Sieger kürte eine Jury das Projekt „Eco Lego“. Foto: WH/BL

In den heißesten Wochen des Jahres nahm sich die „Summer School“ der „Ruhr Master School“ (RMS) an der Wende von Juli zu August ein „brennendes“ Thema vor: die Entwicklung von neuen Infrastrukturen für frühere Bergbaustandorte.

(BL) Drei Grad pro hundert Meter. Das ist im Ruhrgebiet das Normalmaß für die Erwärmung, wenn es nach unter Tage geht. Bei Teufen über 1000 Meter also locker 30 Grad plus, wenn nicht klimatisiert (im Bergbau: bewettert) wird. Auf 30 Grad schaffte es allerdings auch das Wetter, als die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu ihren Außenterminen auf den Zechen Zollverein in Essen, Pluto in Herne-Wanne-Eickel und Ewald in Herten aufbrachen. Den deutschen Studierenden von der Fachhochschule Dortmund, der Hochschule Bochum und der Westfälischen Hochschule stand eine Gruppe ausländischer Studierender gegenüber. Sie kamen aus der Ukraine und der Türkei, aus Palästina, Kasachstan, Mexiko sowie Jordanien und hatten den Weg nach Gelsenkirchen über die Auslandsämter der kooperierenden Hochschulen gefunden. Außerdem schloss sich ein kolumbianischer Praktikant der Technischen Hochschule Georg Agricola in Bochum an sowie eine Gaststudentin aus den USA, die derzeit am Institut für Innovationsforschung und -management der Westfälischen Hochschule arbeitet.

Durch ihre internationale Zusammensetzung erfüllte die Gruppe das diesjährige Thema „Glocal Sustainability – Global View for Local Progress“. Das Wortspiel zwischen „global“ und „local“ sollte, so Organisatorin Lisa Möller, die Nachhaltigkeit und somit den Fortschrit für eine Region mit dem Blick und Wissen von außen unterstützen. Örtlich bezog sich das in diesem Fall auf das Ruhrgebiet und kümmerte sich nach dem Auslaufen des deutschen Steinkohlenbergbaus um die Wiedernutzbarmachung aufgegebener Zechenstandorte.

Die erste der zwei Wochen „Summer School“ richtete sich mit einem morgendlichen Deutsch-Blitzkurs von Sprachenzentrumsmitarbeiter Andreas Nagel-Syben vor allem an die Teilnehmer aus dem Ausland. Die Nachmittage standen im Zeichen des Kennenlernens zwischen deutschen und ausländischen Studierenden. Außerdem schnupperten sie erste Zechenluft, als sie die frühere Zeche Zollverein in Essen besuchten, die heute ein museales Weltkulturerbe ist. Hier ist die Nachnutzung also bereits klar. Auch wenn sich die Museumseigenschaft nur auf einen Teil des Zollverein-Areals bezieht. Fußballluft schnupperten sie am Folgetag in der Schalke-Arena in Gelsenkirchen: Sport verbindet weltweit.

In der Folgewoche führte der Weg die Teilnehmer nach Herne-Wanne-Eickel und zur ehemaligen Zeche Pluto, die zwar keine Kohle mehr fördert, von der RAG (früher: Ruhrkohle AG) aber noch für ihr Bodenmanagement und als Standort für die Grubenwasser-Leitwarte genutzt wird. Unter anderem von hier aus soll sichergestellt werden, das sich auch zukünftig Grubenwasser und Grundwasser nicht mischen. Letztes Außenziel war der Standort der Zeche Ewald in Herten, wo nach Auslaufen der Steinkohlenförderung unter anderem ein Wasserstoff-Kompetenz-Zentrum entstanden ist.

Nach so viel Vorinformation ging es an die internationale Gruppenarbeit, die Ideen, Konzepte und Visionen für die nachhaltige Nutzung früherer Bergbau-Standorte entwickeln wollte. Am letzten Tag stellten die Gruppen ihre Ergebnisse vor und es gab einen Preis für die beste Arbeit.
Und hier die Vorschläge und Ideen für den nachbergbaulichen Standort „Zeche Ewald“ aus der „RMS Summer School 2019“. Das spätere Sieger-Projekt „Eco Lego“ will einen Ort schaffen, der Generationen verbindet, Jung und Alt mit Kultur, Bildung und Spaß bezaubert und zugleich geothermische und hydro-elektrische Energie als saubere Energie nutzbar macht.  „The Fantastic Park“ setzt ebenfalls auf eine Kombination aus der Gewinnung erneuerbarer Energien mit einer virtuell erlebbaren Bildungs- und Vergnügungsumgebung, einer Anschauungs-Bergwerksstrecke, Gastronomie und einem Park-Service für mit dem Auto Anreisende. Das „Grüne-Zeche-Ökosystem“ will Energie aus einem Pumpspeicherkraftwerk, aus Wind, Sonne und Erdwärme gewinnen, kombiniert mit einem Zechen-Themenpark, Wellness und Restaurants. Außerdem setzt es auf landwirtschaftliche Unter-Glas-Kulturen, ein Kompost-Recycling und Schafe als Rasenmäher. Das „Visionary Innovative Village“ nutzt alte Zechenstrecken und den Schacht als U-Bahn-Anschluss, lässt in aufgegebenen Strecken Aquakulturen Fische züchten und ergänzt um ein Forschungszentrum, Werkstätten, ein Gemeinschaftszentrum, Konzerthalle und Restaurants. Und die Fassaden werden begrünt und landwirtschaftlich genutzt.

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