Zehn Jahre deutsch-indischer Lehrverbund

Im Jahr vor dem Abschluss sind die indischen Studierenden in den deutschsprachigen Studienbetrieb eingebunden und erhalten bei Studienende den deutschen Ingenieur-Bachelor-Studiengrad. Viele von ihnen schließen ein Master-Studium an oder gehen in den Beruf, sowohl in Deutschland als auch in Indien. Foto: WH/Dirk Fröhling

Am ersten Oktober 2010 gründete sich das IGCHE, das „Indo German Center for Higher Education“. Die Westfälische Hochschule war eine der Gründungshochschulen und ist zurzeit und noch bis 2025 Konsortialführer der acht deutschen beteiligten Hochschulen. Im Jubiläumsjahr kam mit der Schwester-Nivedita-Universität in Kolkata (früher: Kalkutta) eine neue Partnerhochschule in Indien dazu.

(BL) Bereits seit dem 16. Jahrhundert gibt es Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Indien. Heute sind viele deutsche Unternehmen in Indien tätig und viele indische Firmen betreiben Geschäfte in Deutschland. „Dafür braucht es Menschen, die die jeweils andere Landeskultur gut kennen und so vermittelnd wirtschaftlich aktiv sein können“, beschreibt Prof. Dr. Dirk Fröhling vom Gelsenkirchener Institut für Maschinenbau und derzeit Konsortialführer beim deutsch-indischen Zentrum für Hochschulausbildung (IGCHE) den besonderen Geist dieses Lehrverbunds: „Die Studierenden durchlaufen zunächst in Indien an unseren Partnerhochschulen ein sechsemestriges Ingenieurstudium, das von Anfang an parallel intensiv Deutschkenntnisse vermittelt. Schon während dieser Zeit können sie in den vorlesungsfreien Zeiten zu Blockwochen nach Deutschland kommen und erste Auslandserfahrungen machen. Wenn die Studierenden dann zu ihrem Studienabschlussjahr nach Deutschland an eine der Partnerhochschulen des IGCHE kommen, haben sie entweder schon die für das Studium an einer deutschsprachigen Hochschule erforderliche Sprachprüfung abgelegt oder können dieses Sprachniveau nach kurzer Zeit erwerben. Es folgen zwei Semester Fachstudium, Praktika in deutschen Firmen und die Bachelor-Arbeit, sodass sie im Regelfall nach vier Jahren den deutschen Ingenieur-Bachelor-Grad erhalten.“ Das ist Fröhling und allen beim IGCHE besonders wichtig, denn nur so erhielten die Inder einen so tiefen Einblick in die deutsche Denk- und Arbeitsweise, dass sie als „Industriebotschafter“ sowohl für deutsche Firmen in Indien als auch für indische Firmen in Deutschland arbeiten können. Fröhling: „Deshalb haben wir auch nur kleine Gruppengrößen. In der Regel sind es nur rund fünf Studierende je Studiengang und Standort, sodass sich die indischen Studierenden fest in deutsche Lerngruppen integrieren können, ohne der Versuchung zu erliegen, indische Sondergruppen zu bilden und so zu wenig Kontakt zu den deutschen Mitstudierenden zu haben.“ Die Westfälische Hochschule beteiligt sich an dem Programm mit den Studiengängen Maschinenbau in Gelsenkirchen und Mechatronik in Bocholt.

Auf der Achse Deutschland-Indien können sowohl Lehrende Auslandslehraufträge übernehmen als auch deutsche Studierende an den indischen Partnerhochschulen Studiensemester zu verbringen. In west-östlicher Richtung ist die Lösung der Sprachunterschiede leicht, da Indien als Wirtschafts- und Lehrsprache an Hochschulen Englisch verwendet und nicht die über zwanzig Landessprachen Indiens. Auch hier ist die Zahl der deutschen Studierenden, die dieses Angebot wahrnehmen, nicht groß, „aber noch keiner hat es bereut“, so Fröhling. Auch die indischen Studierenden sagen zwar, dass das Studium in Gelsenkirchen und auf Deutsch nicht leicht sei, aber umso größer ist die Freude, es mit einem deutschen Abschluss gemeistert zu haben und sie damit auf der deutsch-indischen Indus-trieachse erfolgreich in ein weiterführendes Studium oder in den Beruf einsteigen können. Auf der IGCHE-Homepage https://www.igche.de/ finden sich dazu Videoerfahrungen von Absolventen des Programms.

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IGCHE

Das „Indo German Center for Higher Education“ ist ein deutsch-indisches Lehrprojekt, bei dem indische Studierende den deutschen Ingenieur-Bachelor-Grad in Maschinenbau, Mechatronik, Elektrotechnik oder Informatik erwerben und deutsche Studierende an indischen Partnerhochschulen Studiensemester verbringen, die für ihren Abschluss in Deutschland anerkannt werden. Die deutschen Partnerhochschulen sind neben der Westfälischen Hochschule die TH Bingen, die HS Bochum, die HS Bonn-Rhein-Sieg, die TH Deggendorf, die HS Düsseldorf, die FH Kiel und die HS Zittau/Görlitz. Die indischen Partnerhochschulen sind die Hochschulen PSG in Coimbatore/Tamil Nadu, Vel Tech in Chennai/Tamil Nadu und Sister-Nivedita-University in Kolkata/Westbengalen. Nach zehn Jahren IGCHE gibt es knapp 70 Absolventen und rund 200 Studierende in Indien, rund 50 Studierende sind jeweils in Deutschland verteilt über die deutschen Partnerhochschulen. Auch zum Corona-Wintersemester 2020/21 konnten indische Studierende zugelassen werden, wenn auch häufig die Videokonferenz die Präsenz ersetzen muss, da der Corona-Virus oft die rechtzeitige Ausstellung der nötigen Visa verhinderte.

Weitere Informationen:
www.igche.de
www.facebook.com/IndoGermanCenterForHigherEducation