Zwei dabei beim Digitaltag 2020

In der Live-Streaming-Show „Digitale Lehre: Leicht? Lustig? Lehrreich?“ hatten die Zuschauer die Möglichkeit Einblicke in die Vor- und Nachteile digitaler Lehre zu bekommen. Über Fragen und Kommentare konnten sie die Sendung mitgestalten. Fotomontage: Marc Frychel

In kurzer Zeit hat die Westfälische Hochschule wegen der Corona-Epidemie die Lehre des letzten Sommersemesters von „präsent mit digital“ auf „digital und komplett online“ umgestellt. Mitte Juni beteiligte sich die Hochschule mit zwei Projekten am bundesweiten Digitaltag 2020. Morgens gab es von Prof. Dr. Karin Küffmann ein publikumsoffenes Management-Webinar für Master-Studierende im Fach Wirtschaft, nachmittags startete die Live-Sendung „Digitale Lehre: Leicht? Lustig? Lehrreich?“. Dabei ging es um die Vor- und Nachteile digitaler Lehre.

(BL) Im Webinar zur richtigen Nutzung von Social-Media-Werkzeugen stellten Master-Studierende des Gelsenkirchener Fachbereichs Wirtschaft vor dem Start von Prüfungen und Klausuren Inhalte und Ergebnisse des aktuellen Semesters dar. Es ging um eine Kommunikationsstrategie für eine studentische Unternehmensberatung, die den Wirtschaftsstudiengang über soziale Medien und das Internet kommunizieren soll. Dazu wurden die verschiedenen Social-Media-Werkzeuge vorgestellt. Studierende und Professorin trafen sich digital über eine Zoom-Videokonferenz, zu der sich auch Gäste zuschalten konnten.

Digitale Lehre: Leicht? Lustig? Lehrreich?
Am Nachmittag ging es showmäßig weiter: Nach neun Wochen „Distance Learning“ ging es im über einstündigen Livestream auf Youtube und Facebook TV für Moderatoren, Gäste und Zuschauer interaktiv um Erfahrungen, Vor- und Nachteile der Telelehre. Was ist bei der praktischen Umsetzung der digitalen Lehre leicht gefallen? Welche Schwierigkeiten gab es, die vielleicht auch zu lustigen Situationen geführt haben? Was hat sich als „lehrreich“ herausgestellt? Was wird in Zukunft weiter verfolgt?

Als Moderatorin führte Jessica Mayer von „connect.emscherlippe“ nach einem einführenden Kurzfilm Gespräche mit vier Gästen: den Professoren Dr. Tatjana Oberdörster und Dr. Markus Rüter sowie den Journalismus/Public-Relations-Studierenden Simon Di Tardo und Antonia Schroer.

Danach gab es ein Quiz zu Begriffen und Fakten rund um die digitale Lehre. Bei diesem Quiz trat Prof. Dr. Markus Rüter gegen Studentin Antonia Schroer und gegen die Zuschauer an, die über das Programm Mentimeter in Echtzeit ihre Lösungen zu den Quizfragen abgaben. Es siegte Markus Rüter im Studio, aus dem virtuellen Zuschauerraum kamen von 22 Teilnehmenden gleich vier auf die höchste Punktzahl. Alle fünf erhielten als Preis „eine ehrende Erwähnung“.

Nach dem Fragespiel gab es Gespräche über Vor- und Nachteile und die Dinge, die man in der digitalen Lehre und im Online-Studium besser lässt. Etwa mit nacktem Oberkörper vergessen, dass man die Kamera bereits frei geschaltet hat. Oder beim abendlichen Chat mit Lehrenden schon im Schlafanzug vor dem Rechner sitzen. Ist zwar lustig und lockert die Atmosphäre, kommt aber netiquettemäßig nicht so gut rüber. Student Simon Di Tardo: „Man sollte die Online-Lehre schon genauso ernst nehmen wie die Präsenzlehre im Hörsaal.“ Allerdings, so die Meinung der Runde, ist es allein vor dem Rechner schwieriger, die Konzentration über 90 Minuten aufrecht zu erhalten. Da empfahl Professor Markus Rüter seinen lehrenden Kollegen, die Online-Studierenden einzubinden, indem man sie während der Vorlesung auch mal was machen lässt, etwa den nächsten unbekannten Fachbegriff selbst im Netz nachzukucken. Und: Wenn man die Kamera des Rechners einschaltet, um nicht anonym zu bleiben, sollte man etwas Kameradisziplin üben, also beispielsweise in die Kamera schauen, wenn man persönlich angesprochen wird und antwortet, sonst kriegen die anderen keinen persönlichen Bezug zum Redner, der gerade am Rechner vorbei oder an die Decke starrt.

Im Schlussrunden-Talk ging es um die Frage, was gut lief und was noch nicht gut lief oder was verbessert werden kann und was nicht funktioniert hat. Last, not least ermittelte die Talkrunde die Quintessenz der Erfahrungen für die Zukunft. Was ist sinnvoll beizubehalten, auch wenn der Corona-Virus die Online-Lehre nicht mehr zwingend notwendig macht? Was verwirft man besser wieder, weil es zwar als Notbehelf in schwieriger Lage funktionierte, aber unter besseren Bedingungen nicht erstrebenswert ist? Einig waren sich die Studiogäste darüber, dass digitale Lehre ein sinnvolles Instrument ist, „wenn sie richtig angewendet wird“. Sie sei kein Selbstzweck. Kann aber helfen, die Verschiedenartigkeit der individuellen Studierenden durch Zusatzangebote und flexible Studienmodule auszugleichen. Durch Speicherung und Abruf macht sie die Studierenden auch zeitlich unabhängiger von Präsenzzeiten. „Den Lernerfolg steigern können wir aber nur, wenn die didaktischen Konzepte auf die Online-Lehre eingestellt werden“, so Oberdörster, die kurz vor der Show Vizepräsidentin für Lehre und Studium geworden war. Dafür sei die Zeit im Sommersemester zu kurz gewesen, aber die Corona-Schutz-Maßnahmen ließen es nicht anders zu. Dafür, so Rüter, sei viel erreicht worden: „Da haben ganz viele, gefühlt alle, mitgezogen.“ Über Corona hinaus müsste jetzt das richtige Maß zwischen Präsenz- und Online-Lehre gefunden werden. Die zwischenmenschliche Nähe der Präsenzlehre wollte keiner missen, aber, auch darüber waren sich die Showgäste einig, viele Besprechungen könnten jetzt besser ins Netz verlegt werden, schon um Fahrzeiten und Fahrtkosten zu sparen.

Das Publikum bestand nicht aus passiven „Fernsehzuschauern“, sondern die Zuschauer konnten sich interaktiv einmischen, Fragen stellen und Meinungen platzieren, die dann für alle beantwortet und sichtbar wurden. Live hatten sich bei der Show ein gutes halbes Hundert Zuschauer zugeschaltet, bis zum Ende des Wochenendes nach der Freitagssendung kamen noch einmal 220 Zuschauer der Videowiedergabe und 380 Zuschauer auf den Facebookseiten der Westfälischen Hochschule hinzu.

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Digitaltag 2020

Der Digitaltag wird getragen von der Initiative „Digital für alle“, einem Bündnis aus mehr als 20 Organisationen aus den Bereichen Zivilgesellschaft, Bildung und Kultur, Wohlfahrt, Wirtschaft, Wissenschaft und öffentliche Hand. Darunter auch das Bundeskanzleramt, das Bundesinnenministerium und die NRW-Staatskanzlei. Erklärtes Ziel ist die Förderung digitaler Teilhabe. In der Aktionslandkarte waren für Gelsenkirchen acht Angebote eingetragen, davon zwei von der Westfälischen Hochschule und sechs von den Hochschul-Ausgründungsfirmen Aware 7 und Xign-Sys. Der bundesweite Aktionstag will die Digitalisierung mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktivitäten überall in Deutschland erklären, erlebbar machen, Wege zu digitaler Teilhabe aufzeigen und auch Raum für kontroverse Debatten schaffen. Mögliche Formate sind Vorträge, Diskussionen und Streitgespräche, das Ausprobieren digitaler Technologien in Vereinen, Behörden und Unternehmen, Tage der Offenen Tür oder Programmierkurse für jedermann. Die Premiere am 19. Juni 2020 fand online statt: vom Webinar über Live-Streaming und Online-Beratung bis zum virtuellen Event. Er sollte zeigen, was im digitalen Raum möglich ist. Künftig soll der Digitaltag jährlich stattfinden.