Nachhaltiger Ressourceneinsatz

Prof. Dr. André Latour (r.), Vizepräsident für Nachhaltigkeit und Internationales, überreicht Prof. Dr. Rainer Ostermann (l.) die Förderurkunde für ein einjähriges Forschungsprojekt zur Entwicklung nachhaltiger Dämmstoffe am Hochschulstandort Recklinghausen. Die Forschungsarbeit wird mit 50.000 Euro von der Westfälischen Hochschule durch das eigene interne Förderprogramm „Research Challenge“ unterstützt. Foto: WH/MV

Die zweite Research-Challenge und die damit verbundene Fördervergabe an Professorinnen und Professoren sowie Studierende der Westfälischen Hochschule startete im Mai. Nach der ersten Runde über die „Wasserversorgung 2030“ (Trikon berichtete in Ausgabe 1/2021) geht es diesmal um einen „nachhaltigen Ressourceneinsatz“.

(MV) „Inzwischen ist es im allgemeinen Bewusstsein vieler Menschen insbesondere in Industrieländern angekommen, dass die Rohstoffe dieser Erde nicht endlos zur Verfügung stehen“, berichtet Prof. Dr. André Latour, Vizepräsident für Nachhaltigkeit und Internationales an der Westfälischen Hochschule. Eine lineare Wertschöpfung werde daher mit Blick auf zukünftige Generationen als nicht mehr verantwortbar angesehen. Bereits im Brundtland-Report der Vereinten Nationen von 1987 hieß es, dass eine Entwicklung nachhaltig ist, wenn sie „die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“.

„Problem erkannt, Problem gebannt“ besagt eine modifizierte Redensart, die ihren Ursprung in einem Versicherungswerbespruch „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt!“ der Achtzigerjahre hatte. Daran angelehnt könnte man glauben, dass der Mensch inzwischen begriffen haben sollte, nur so viel zu nehmen, dass es unserem Planeten nicht schadet. Die Nachrichten über den kaum noch aufzuhaltenden Klimawandel durch viel zu massive Rohstoffausbeutung, zu hohen Schadstoffausstoß und die daraus resultierende Umweltverschmutzung sind inzwischen Alltag geworden. Umweltdebatten sind bedingt durch die weltweite Corona-Pandemie nachrichtentechnisch in den Hintergrund geraten. Dennoch könnten auch hier die Sachverhalte zusammengeführt werden, wenn man den Untersuchungen vieler Wissenschaftler Glauben schenkt. Denn der Mensch dringt ressourcenhungrig in Gebiete vor, die zuvor noch Rückzugsraum vieler Lebewesen auf unserem Planeten waren und sind. Dabei bringt er nachweislich Abläufe durcheinander, die sich kaum oder gar nicht mehr umkehren oder reparieren lassen.

„Die Westfälische Hochschule befasst sich daher seit vielen Jahren mit nachhaltigen Themen wie der regenerativen Energieforschung im Bereich Wasserstoffnutzung und -Erzeugung sowie mit effizienter Energiegewinnung beispielsweise mit Fotovoltaik“, weiß Latour. „Neue Studienangebote wie der Recklinghäuser Studiengang ‚Nachhaltige biologische und chemische Technologien‘ bilden zukünftige Expertinnen und Experten aus. Auch der Bocholter Studiengang Bionik schaut von der Natur ab, um Verfahren und Techniken zu entwickeln, die dort schon evolutionsbedingt nahezu perfekt funktionieren.“ Um zusätzlich in die Nachhaltigkeit weiter zu investieren und kleinen sowie spontanen Ideen und Projekten eine Chance zu geben, wurde im vergangenen Jahr die „Research Challenge“ als Format entwickelt und angeboten. Durch kurze Ideentexte zu wechselnden Themenbereichen können sich sowohl Studierende als auch Professorinnen und Professoren für die Challenge bewerben. Den Zuschlag für die zweite Runde, die Anfang Mai vom Präsidium der Westfälischen Hochschule ausgewählt wurden, erhielten: Chemieprofessor Dr. Rainer Ostermann zur Entwicklung nachhaltiger Dämmstoffe sowie die Studierenden Rebekka Thümer und Stephan Wolligandt und Torben Balster.

Thümer und Wolligandt wollen eine Untersuchung starten, die sich im Recklinghäuser Fachbereich Wirtschaftsrecht mit der stärkeren Fokussierung der dort angebotenen Studiengänge auf nachhaltige Berufsfelder befasst. Sie untersuchen unter anderem, ob ein intensiver Einsatz von digitaler Technik dazu beiträgt, ressourcenschonender zu studieren.

Der Masterstudierende Torben Balster will mit Hilfe der Förderzusage innerhalb seiner Abschlussarbeit einen Machbarkeitsnachweis erstellen, ob es ressourcenschonend möglich ist, mit einem geeigneten Desinfektionsverfahren Tablet-Computer effizient zu reinigen. Seine Arbeit entsteht in Kooperation mit „Augenärzte Gerl, Kretz & Kollegen“ unter Betreuung der Bocholter Fachbereiche Maschinenbau sowie Wirtschaft und Informationstechnik. Dabei spielen die Erzeugung, der Transport sowie der Gebrauch, der Einsatz und nicht zuletzt der stark gestiegene Preis alkoholbasierter Desinfektionsmittel eine Rolle. Torben Balster untersucht ebenso alternative Desinfektionsverfahren.

Die beiden studentischen Projekte werden mit jeweils 5.000 Euro gefördert. 75 Prozent davon sind für Personalkosten vorgesehen.

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