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Indigene Gemeinschaften aus aller Welt vernetzen sich in Namibia

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Beginn des Indigenen-Gipfels im Dorf der San (Nhoma): Bei der Begegnung tauschten sich die Teilnehmenden über Traditionen, Praktiken und kulturelles Wissen aus. Foto: Leia Vita unter dem Unesco Chair  for Digital Technology Design with Indigenous People und weaving futures collective

Beginn des Indigenen-Gipfels im Dorf der San (Nhoma): Bei der Begegnung tauschten sich die Teilnehmenden über Traditionen, Praktiken und kulturelles Wissen aus. Foto: Leia Vita unter dem Unesco Chair for Digital Technology Design with Indigenous People und weaving futures collective

Bereits 2024 verbrachte Prof. Katja Becker ein Forschungssemester an der Namibia University of Science and Technology (NUST) in der namibischen Hauptstadt (Trikon berichtete). Ende 2025 kehrte die Professorin für Medien- und Interfacedesign an der Gelsenkirchener Fachgruppe Informatik zurück nach Windhoek, um an der von der NUST, der UNESCO und weiteren Partnern organisierten Knowledge Fair „Weaving Futures“ teilzunehmen. Zusätzlich verbrachte sie eine Woche in Windhoek an der Partnerhochschule, um aktuelle Forschungsprojekte zu evaluieren – unter anderem im Rahmen der Knowledge Fair durch Interviews mit Vertreter:innen des OvaHimba-Volks. Der Aufenthalt in Namibia wurde durch Erasmus+ unterstützt.

Unter dem Motto “Custodians of Ecology: Shared Worlds, Shared Futures” (übersetzt „Hüter der Ökologie: Gemeinsame Welten, gemeinsame Zukunft“) kamen etwa 40 überwiegend indigene Personen aus vielen Teilen der Welt – darunter Kanada, Malaysia, Brasilien, Argentinien, Chile, Mexiko, Peru, Kolumbien, Südafrika, Tansania, Kenia, Simbabwe und Namibia – zu einem gemeinsamen Gipfel zusammen, um ökologisches Wissen sowie traditionelle Praktiken auszutauschen, Kultur und Biodiversität zu bewahren und so eine nachhaltige Zukunft zu fördern. Vom 5. bis 18. September 2025 besuchte die indigene Delegation die San in Nhoma und die OvaHimba in Epupa. Im Zentrum des Treffens stand der „Weaving Process“, ein symbolischer und praktischer Austauschprozess. In verschiedenen Workshops, Ritualen und Gesprächsrunden wurden Erfahrungen zu Themen wie regenerativer Landwirtschaft, natürlichem Bauen und Saatguterhaltung aber auch spirituelle Traditionen – wie beispielsweise Stammestänze – geteilt. Auch die digitale Bewahrung von Wissen spielte eine wichtige Rolle – etwa durch Projekte, die Geschichten, Sprachen und Traditionen in digitalen Archiven u. a. mithilfe von KI; VR und AR dokumentieren. Ziel war es, die Bedeutung indigener Lebensweisen für globale Herausforderungen wie Klimawandel, Ernährungssicherheit und Biodiversität herauszustellen. Neben dem Wissensaustausch und der Vernetzung ging es aber auch um die Formulierung von Forderungen an die Politik, um die Lebensumstände der indigenen Bevölkerungen zu verbessern. Trotz regionaler und geografischer Unterschiede, sehen sich indigene Völker weltweit mit ähnlichen Problematiken konfrontiert. „Es war sehr wertvoll zu erleben, wie indigene Gemeinschaften aus aller Welt zusammenkamen, sich austauschten und voneinander lernten. Trotz aller Unterschiede wurde deutlich, wie viele gemeinsame Traditionen und Herausforderungen sie verbinden – geprägt durch Klimawandel, politische Ausgrenzung und den Verlust indigenen Wissens, wenn traditionelle Lebensweisen nicht mehr weitergegeben werden können“, resümiert Prof. Katja Becker ihre Eindrücke vom Indigenen-Gipfel.

Den Abschluss bildete eine Konferenz in Windhoek, mit Vertreter:innen der Politik und NGOs, bei der diese Forderungen in Form eines Manifests an die stellvertretende Präsidentin von Namibia, Lucia Witbooi, übergeben wurde. „Die Vernetzung von indigenen Vertreter:innen mit NGOs sowie der direkte Dialog mit der Politik durch das Manifest verliehen der Knowledge Fair eine besondere Tiefe und Wirkung“, lobt Katja Becker die außerordentliche Leistung der Organisator:innen. Die Knowledge Fair „Weaving Futures“ verstand sich dabei nicht als einmaliges Event, sondern als Beginn eines globalen Netzwerks indigener Wissensgemeinschaften. Die Teilnehmenden zeigten, dass indigenes Wissen eine lebendige Ressource für eine gerechtere und nachhaltigere Zukunft ist.

Zum Youtube-Video Weaving Futures

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